Freie Aufstellungen

Freie Aufstellungen
Eine Gruppe zum Ausprobieren. Für Menschen, die selbst aufstellen, und für Menschen, die das Format noch gar nicht kennen.
Es gibt viele Schulen der Aufstellungsarbeit, und jede bringt ihre eigenen Regeln mit. Mich interessiert, was passiert, wenn man fast alle davon weglässt und nur das Nötigste stehen lässt. Was trägt dann noch? Das lässt sich nicht ausdenken. Das muss man machen.
Was stehen bleibt
Den Rahmen nehme ich aus der Identitätsorientierten Psychotraumatheorie von Franz Ruppert, der Arbeit mit dem Anliegen. Drei Dinge davon sind mir wichtig, und sie gelten bei uns ausnahmslos:
Das Anliegen formuliert allein, wer aufstellt. Nicht ich. Niemand sonst in der Gruppe. Es wird nicht verbessert, nicht umformuliert, nicht „präzisiert“. Ein Anliegen darf ein Satz sein, ein einzelnes Wort, eine Frage. Auch wenn es unklar klingt, bleibt es genau so stehen. Die Unschärfe gehört dazu und ist oft das Eigentliche.
Von außen kommt so wenig wie möglich. Wir deuten nichts. Wir beobachten, wir bezeugen, wir spüren. Wir stellen niemanden um. Wir legen niemandem einen Satz in den Mund und schlagen keine Lösungen vor. Was die Resonanzgebenden wahrnehmen, sagen sie in ihren eigenen Worten oder gar nicht. Ratschläge sind auch Schläge.
Es gibt keine Zielvorstellungen. Kein gelöstes Bild, kein guter Schluss, keine Erleichterung, die am Ende dastehen müsste. Manchmal bleibt es offen. Das ist kein Scheitern, sondern ein mögliches Ergebnis.
Wer aufstellt, begegnet nicht einem Familiensystem, sondern dem eigenen Anliegen und dem, was daran hängt.
Ein wachsender Fundus an Anregungen, kein Programm
Eine Sammlung von Formen aus ganz verschiedenen Traditionen, die mir über die Jahre begegnet sind.
Der Fundus ist kein Menü, von dem ich etwas auswähle. Niemand bekommt eine Form verordnet. Sie dienen der Anregung. Wer aufstellt, entscheidet, ob eine dieser Formen passt oder ob es ohne geht – und kann jederzeit mittendrin etwas anderes daraus machen. Genau dieses Ausprobieren ist der Zweck der Gruppe. Ich würde mir nicht anmaßen wollen zu behaupten, Experte in den jeweiligen Formaten zu sein.
Beispiele:
Glaubenssätze. Drei Pole: Kopf (Wissen, Erkenntnis), Herz (Gefühl, Vertrauen, Liebe), Hand (Handlung, Ordnung, Ergebnis). Dazu der Fokus und ein Element für Wandel oder Bewegung. Der Satz verändert sich im Lauf der Aufstellung, bis der Fokus einen Satz sagt, der sich von allen Positionen aus stimmig anfühlt.
Kopf, Herz, Bauch. Dieselbe Dreiheit, anders gefasst, entlang der Kernbedürfnisse.
Innere Anteile. Das Innere Team als Aufstellung: die Stimmen, die in einem miteinander reden, bekommen jede einen Platz im Raum.
Ich und Selbst. Nur zwei Elemente, manchmal ein drittes für das Thema. Die einzige Anweisung: „Sucht euch einen guten Platz im Ganzen.“ Und: „Sei frei.“
Ego und Herz. Zwei Positionen, mehr braucht es nicht.
Ziele. Was erreicht werden soll, bekommt einen Platz – und daneben die zu entdeckenden Ressourcen, die dafür schon da sind.
Grundbedürfnisse. Nach Manfred Max-Neef: Überleben, Schutz, Zuneigung, Verstehen, Teilhabe, Muße, Kreativität, Identität, Freiheit, Träumen. Zehn Bedürfnisse, die sich nicht gegeneinander aufrechnen lassen.
Gesellschaftliches. Aufstellungen zu politischen und gesellschaftlichen Fragen.
Herkunft und Liebe. Der Moment der Zeugung: das, was aus der Vergangenheit wichtig ist. Die Liebe nicht als Gefühl zwischen zwei Menschen aufgestellt, sondern weit außerhalb, als eigene Kraft. Dazu das Thema Abgrenzung: ich, die anderen – und ein Ort dazwischen.
Eine Liebesgeschichte aus der eigenen Familie. Zu zweit erzählt, dann aufgestellt. Etwa: das Selbst, der liebende Mensch, der geliebte Mensch. Oder: Mutter, Vater, Liebe. Oder: die beiden Familienseiten und die Liebe.
Entscheidungen und Gegensätze. Das Tetralemma: das Eine, das Andere, Beides, Keines von Beidem – und dann noch „all dies nicht, und selbst das nicht“. Dazu ein Platz für den Fokus, also für die Person selbst. Die vier Positionen sind nicht zum Abwägen da; der Sprung zwischen ihnen macht Platz für das, was bisher außerhalb der Frage lag.
Veränderungswunsch. Ich, wie ich gerade bin. Ich, wie ich sein möchte (oder meine sein zu müssen). Die Eigenschaften, von denen ich dazu weniger bräuchte. Die, von denen ich mehr bräuchte.
Sprache statt Erklärung. Gedichte und Liedzeilen, Buchzitate, Sätze, die Dich persönlich bewegen.
Stille Aufstellung. Ohne Worte, nur Gesten und Bewegungen. Es spricht nur der Anliegeneinbringer, darüber was es in ihm auslöst. Kann sehr tief berühren.
Die Quellen für diese Inspirationen stehen unten.
Wie ein Treffen abläuft
Ungefähr so, oder auch ganz anders, und änderbar, sobald die Gruppe etwas anderes will:
Ankommen. Eine Runde, in der jede und jeder kurz sagt, wie er oder sie da ist. Keine Vorstellungsrunde mit Lebenslauf.
Still werden. Ein paar Minuten, in denen nichts gesagt wird.
Aufstellen. Wer eingebracht hat, wählt die Resonanzgebenden selbst und sagt, wofür sie stehen; oder lässt sich Resonanzgebende aussuchen. Dann wird es still, und es dauert, bis etwas kommt. Diese Stille gilt es auszuhalten.
Reinspüren. Teilnehmende, Beobachter, Assistenz, Einbringer: alle achten auf ihre eigene Körperwahrnehmung, und kehren immer wieder zurück zu sich selbst.
Aufhören. Die Person, die eingebracht hat, sagt, wann Schluss ist. Nicht ich, und nicht die Uhr.
Nachspüren. Eine Pause, in der niemand über das Gesehene redet.
Der Kreis. Zum Schluss sagt, wer möchte, wie es ihm oder ihr ergangen ist. Aus der eigenen Position heraus, nicht als Deutung für andere.
Was das mit Intervision zu tun hat
Wer begleiten möchte, bietet sich an. Wir wechseln uns ab, und wer gerade nicht einbringt, ist Resonanzgebende oder Resonanzgebender wie alle anderen.
Danach ist Platz für die Fragen, die man sonst mit sich allein herumträgt: Was habe ich gespürt und nicht gesagt? Wo hätte ich am liebsten eingegriffen, und wieso? Was hat mich an dieser Aufstellung erwischt? Das ist keine Fallbesprechung mit Expertenurteil. Es ist ein Austausch unter Leuten, die dasselbe tun.
Für wen
Du brauchst keine Ausbildung. Wer noch nie aufgestellt hat, ist genauso willkommen wie jemand, der seit Jahren Gruppen leitet – als Resonanzgebende oder Resonanzgebender braucht es nichts weiter, als da zu sein und wahrzunehmen.
Was es braucht, ist die Bereitschaft, nichts zu wissen. Auch und gerade dann, wenn Du das Format kennst.
Nicht geeignet ist das hier, wenn Du in einer akuten Krise steckst und Halt brauchst. Dafür ist eine Gruppe ohne feste Leitung der falsche Ort; dann sprich mich bitte direkt an, und wir schauen, was sonst hilft. Meine Begleitung ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.
Wie es losgeht
Wann wir uns treffen, wo, und in welchen Abständen, entscheiden wir als Gruppe gemeinsam. Die Gruppe trägt sich selbst; dann gehört ihr auch der Kalender.
Wenn Du dabei sein möchtest, melde Dich bei mir. Schreib gern dazu, was Dich herbringt.
»Sucht euch einen guten Platz im Ganzen. Sei frei.«
Franz Ruppert: Identitätsorientierte Psychotraumatheorie und -therapie (IoPT)
Matthias Varga von Kibéd, Insa Sparrer: Ganz im Gegenteil. Tetralemmaarbeit und andere Grundformen Systemischer Strukturaufstellungen – dazu das Stichwort „Tetralemma“ im Systemischen Lexikon
Gabriela von Witzleben: Herz – Kopf – Bauch. Triadisches Prinzip (PDF)
Dagmar Kumbier: Aufstellungsarbeit mit dem Inneren Team
Siegfried Essen: Autopoietische Aufstellungsarbeit (PDF)
Christa Renoldner: Politische Aufstellungen und Grundbedürfnisaufstellung nach Max-Neef (PDF) – zu den Bedürfnissen selbst Manfred Max-Neef
Francesca Mason Boring: Botschaften aus dem indigenen Feld
Daan van Kampenhout: Systemische Rituale
Gunther Schmidt, Milton-Erickson-Institut Heidelberg
Jakob Robert Schneider: Herkunft, Schicksal und Freiheit
