Arbeitsweise

Arbeitsweise

Woran ich mich orientiere. Und woran Du mich erinnern darfst.

Mehr als jede Technik zählt in dieser Arbeit die Haltung, mit der wir einander begegnen. Diese lässt sich in ein paar wenigen Sätzen aufschreiben. Sie einzuhalten, wenn es eng wird, ist die eigentliche Übung. Das klingt schlicht und wirkt doch tief. In diese Haltung wächst man langsam hinein, und sie im eigenen Alltag zu leben bleibt eine Aufgabe für ein ganzes Leben.

Acht dieser Prinzipien habe ich von Ray Castellino übernommen. Er hat sie für die Begleitung von Babys, Kindern und ihren Familien formuliert, und für die Arbeit mit Erwachsenen in kleinen Gruppen. Hier stehen sie in meinen Worten; das Original ist unten verlinkt.

Diese Prinzipien gelten für mich, und in Gruppen als gemeinsame Vereinbarung.

Willkommen

Du bist willkommen, so wie Du heute kommst. Auch die Teile von Dir, die lieber nicht gekommen wären. Auch die Erschöpfung, der Ärger, die Skepsis, die Verwirrung, die Überforderung, die Unaushaltbarkeit. Auch die Teile, die sich verstecken und gar nicht zeigen wollen. Ich picke mir nicht die angenehmen Seiten heraus und arbeite nur mit denen. Du musst auch kein „Anliegen" mitbringen. Du kannst. Wir müssen noch nichtmal sprechen, während Du hier bist.

Willkommen zu sein ist keine Höflichkeit. Es ist etwas, das Menschen von Anfang an brauchen. Und das vielen von uns nicht gegeben wurde.

Gegenseitige Unterstützung

Wir achten beide auf uns, und auf einander. Das ist kein Tauschgeschäft und kein Wettbewerb. Ich helfe Dir nicht auf meine Kosten, und Du musst Dich nicht für mich zusammenreißen. Wenn es für einen von uns beiden nicht mehr stimmt, stimmt es für die Sitzung nicht.

Wahl

Du entscheidest. Über das Tempo. Über die Richtung. Über jede Berührung (wenn Du überhaupt mit Berührung arbeiten möchtest!). Dafür braucht es ausreichend Zeit, um genau zu erforschen, was Du willst – deshalb gehen wir langsam.

‚Nein’ ist eine vollständige Antwort. ‚Vielleicht’ oder ‚weiß nicht’ auch. Ein Nein ist mir genauso willkommen wie ein Ja, und oft wichtiger: Viele von uns haben als Kind erlebt, dass ihr Nein nicht gezählt hat. Dass es hier zählt, ist ein Teil der Arbeit.

Innehalten

Anhalten, jederzeit, ohne Begründung. Wenn Du pausierst, höre ich auf, und doch bleibe ich da. Die Pause ist zu Ende, wenn Du sagst, dass sie zu Ende ist. Das Anliegen beim Leitgedanken „Innehalten” ist nicht, dass mein Gegenüber innehält oder mit etwas aufhört, sondern es geht um eine Pause für mich selbst.

Die Verarbeitung passiert in den Pausen, in der Stille, nicht während wir etwas tun.

Für sich sorgen

Essen, trinken, schlafen, auf die Toilette gehen, frische Luft. Das klingt banal und ist es nicht: Wer hungrig, durstig oder übermüdet ist, kann nichts verarbeiten. Sag, wenn Du etwas brauchst. Ich sorge während der Sitzung auch für mich – das gehört dazu.

Kurzer, häufiger Blickkontakt

Ab und zu kurz hinschauen, ob der andere noch da ist. Nicht anstarren. Wenn wir uns eine Weile nicht ansehen, wächst der Abstand, und wir fangen an, uns Geschichten übereinander auszudenken – meistens alte.

Gleichzeitig kann Blickkontakt zu viel sein. Dann lassen wir ihn weg und finden etwas anderes.

Berührung und Aufmerksamkeit

Bei den meisten Erwachsenen hängen Berührung und Aufmerksamkeit zusammen: Wo die Hand liegt, ist auch die Aufmerksamkeit. Kleine Kinder reagieren auf beides getrennt. Erwachsene übrigens auch, sie merken es nur seltener.

Wenn ich Berührung anbiete, frage nach vorher nach Zustimmung. Und ich kann meine Aufmerksamkeit von meinen Händen lösen: Manchmal ist es genau richtig, dass eine Hand liegt, und die Aufmerksamkeit woanders ist, weil beides zusammen zu viel wäre.

Vertraulichkeit

Was Du erzählst, bleibt bei mir. Über meine eigene Erfahrung spreche ich frei, über Deine Geschichte nicht. Wenn ich davon sprechen möchte, frage ich Dich vorher.


Was meine Hände tun. Und was nicht.

Der zweite Teil kommt aus der biodynamischen Craniosacral-Arbeit und aus dem, was Charles Ridley daraus gemacht und „post-biodynamisch“ genannt hat. Beides ist reich an Fachbegriffen und an großen Worten. Ich versuche es ohne:

Ich behandle nichts. Ich stelle nicht fest, was bei Dir nicht stimmt, um es dann in Ordnung zu bringen. Es gibt keine Diagnose und kein Ziel für die Sitzung. Wenn ich mit einer Absicht an Deinen Körper gehe, arbeite ich gegen ihn statt mit ihm.

Meine Hände liegen. Sie drücken nicht, ziehen nicht, rücken nichts zurecht. Meistens bleiben sie einfach dort, wo wir sie hingelegt haben, und länger, als Du erwartest. Von außen sieht das nach sehr wenig aus.

Es ist keine Technik. Ich habe keine Handgriffe gelernt, die ich in einer bestimmten Reihenfolge anwende. Gelernt habe ich, da zu sein und nichts zu machen. Das ist deutlich schwieriger.

Dein Körper gibt das Tempo vor. Nicht ich, und auch kein Plan. Dein Körper macht ohnehin die ganze Zeit etwas von selbst. Meine Aufgabe ist, ihm nicht dazwischenzufunken.

„Berührung“, nicht „Therapie“. Das Wort Therapie setzt voraus, dass es ein Problem gibt, das jemand findet und behebt. Siehe auch: Warum ich kein Heilpraktiker oder Psychotherapeut bin.

Ich lade Dich ein, es mal auszuprobieren. Wortwörtlich – die erste Sitzung ist kostenfrei.


Die Vorrangstellung menschlicher Präsenz

Aus The Small Steps of the Therapy Process
von Eugene Gendlin

„Ich will mit dem Wichtigsten anfangen, was ich zu sagen habe: Das Wesen der Arbeit mit einem anderen Menschen ist, als lebendiges Wesen da zu sein. Und das ist ein Glück, denn wenn wir klug sein müssten, oder gut, oder reif, oder weise – dann hätten wir wahrscheinlich ein Problem. Aber darauf kommt es nicht an. Worauf es ankommt, ist, ein Mensch mit einem anderen Menschen zu sein. Das andere Wesen da drinnen zu erkennen. Selbst wenn es eine Katze ist oder ein Vogel – wenn du versuchst, einem verletzten Vogel zu helfen, dann musst du zuerst wissen, dass da jemand drinnen ist, und dass du warten musst, bis diese „Person“, dieses Wesen da drinnen, mit dir in Kontakt kommt. Das scheint mir das Wichtigste zu sein.

Also, wenn ich mich mit jemandem hinsetze, dann nehme ich meine Schwierigkeiten und Gefühle und lege sie hierher, auf eine Seite, nah bei mir, weil ich sie vielleicht brauche. Ich will vielleicht hineingehen und etwas darin sehen. Und ich nehme all die Dinge, die ich gelernt habe – klientenzentrierte Therapie, Reflexion, Focusing, Gestalt, psychoanalytische Konzepte und alles andere (ich wünschte, ich hätte noch mehr davon) – und lege sie hierher, auf meine andere Seite, auch nah. Dann bin ich einfach hier, mit meinen Augen, und da ist dieses andere Wesen. Wenn es zufällig in meine Augen schaut, dann wird es sehen, dass ich einfach ein zittriges Wesen bin. Ich muss das aushalten. Vielleicht schaut es nicht. Aber wenn es das tut, dann wird es das sehen. Es wird die etwas schüchterne, etwas zurückweichende, unsichere Existenz sehen, die ich bin. Ich habe gelernt, dass das in Ordnung ist.

Ich muss nicht emotional gefestigt und unerschütterlich präsent sein. Ich muss einfach nur da sein. Es gibt keine Voraussetzungen dafür, was für eine Art Person ich sein muss. Was gebraucht wird für den großen Therapieprozess, den großen Entwicklungsprozess, ist eine Person, die da ist. Und so bin ich nach und nach zu der Überzeugung gekommen, dass sogar ich das sein kann. Auch wenn ich, wenn ich allein bin, so meine Zweifel habe – in einem gewissen objektiven Sinn weiß ich, dass ich eine Person bin.“


Die acht Prinzipien im Original (Castellino Training)

BEBA: The Principles

Charles Ridley: Dynamic Stillness

Focusing Institute: Eugene Gendlin: The Primacy of Human Presence